Schulchronik vom 1. Januar 1884

Diese Schulchronik umfasst 95 Blätter. Niemegk den 15. December 1883. Der Magistrat. Wallbaum

[1929]

Am 10. und 12. März wurde unter starker Beteiligung der Elternschaft ein Elternabend veranstaltet, dem auch Herr Schulrat Wolff als Gast beiwohnte. Der Reinertrag in Höhe von etwa 250 M diente zur Deckung des Restbetrages für ein im vorigen Jahr angeschafften Lichtbildapparat.

Am 11. März unterzog Herr Schulrat Wolf die Schule einer Revision.

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde Hilfslehrer Engel abberufen. Er erhielt eine Lehrerstelle in Fahlhorst. An seine Stelle trat Hilfslehrer Zimmermann.

Das Diakonat an der Niemegker Kirche von April ab Herrn Pfarrer Messerschmidt aus Hohenwerbig übertragen.

Am 23. Juni wurde die neu erbaute städtische Badeanstalt dem Betrieb übergeben. Das Schwimmbecken hat etwa 1600 cm Inhalt. Zu den Kosten des Baues haben Provinz, Staat und Kreis Zuschüsse von insgesamt 3 500 M und die Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg und die Lichterfelder Krankenkasse je 1 000 M beigetragen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 18 000 M. Es ist nur zu bedauern, daß keine Anlage mit fließendem Wasser geschaffen worden ist. Für die Schulkinder wurde als Badezeit die Stunde von 11 - 12 Uhr frei gegeben. Während dieser Zeit erhalten sie durch den Bademeister und die Bademeisterin unentgeldlich Schwimmunterricht

Das diesjährige Schulfest wurde unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung am 9. August im Werder gefeiert. Am darauf folgenden Tage wurde im Saale des 'Deutschen Hauses' die Verfassungsfeier der Schule abgehalten, zu der auch Herr Schulrat Wolff erschienen war.

Bei den Reichsjugendwettkämpfen, die am 27. August veranstaltet wurden, konnten 4 Knaben und 5 Mädchen als Sieger mit Ehrenurkunden ausgezeichnet werden.

Im Anschluß an die Reichsjugendwettkämpfe wurde unter zahlreicher Beteligung der Eltern und Freunde des Schwimmsportes - es waren über 200 Erwachsene erschienen - ein Schwimmfest der Niemegker Schüler und Schülerinnen abgehalten. Die Kinder, die sämtlich bei Eröffnung der Badeanstalt Nichtschwimmer waren, haben erstaunliche Fortschritte gemacht. Es wurden folgende Wettkämpfe ausgetragen:

An den Kämpfen beteiligten sich Knaben und Mädchen aller Klassen von 8.- 14 Jahren.

[1931]

Das diesjährige Kinderfest wurde am 7. August gefeiert. Zum ersten Male wurde von der alten Tradition abgewichen, es im Werder zu veranstalten. Maßgebend dafür war, daß bei schlechtem Wetter oder plötzlich eintretendem Regen die Kinder und auch die übrigen Besucher des Festes keine Unterkunft fanden. Aus diesem Grunde wurde das Fest auf den Schützenplatz neben der Badeanstalt verlegt, der genügend Raum und Schatten bietet und bei schlechtem Wetter auch die Unterbringung der Kinder im Schützenhaus ermöglicht. Mit dem Kinderfest war auch ein Schwimmfest verbunden. Die Leistungen der Kinder fanden reichen Beifall. Der Magistrat hatte für die besten Leistugen Preise gestiftet.

[1932]

Von schönem Wetter begünstigt veranstaltete die Niemegker Schule am 7. September in der städtischen Badeanstalt ihr diesjähriges Schwimmfest. Nach einer Begrüßungsansprache an die erschienenen Gäste wies Rektor Mollenhauer kurz auf die Bedeutung des Schwimmsports hin und wünschte der Veranstaltung einen ungestörten fröhlichen Verlauf. An den schwimmsportlichen Vorführungen beteiligten sich Knaben und Mädchen der Jahrgänge 1918 - 1922. Es wurden folgende Wettkämpfe ausgetragen: 33 m Brustschwimmen, 66 m Brustschwimmen, Lagenstaffel, Kopfsprung vom 1 m Brett, Abfall vorlings, Spreitzsprung vom 3 m Brett, Rückenschwimmen, Kürspringen, Seitenspringen, Kopfweitsprung, Kraulschwimmwn, Sackschwimmen, Streckentauchen. Große Heiterkeit erregten die Wasserkunststücke dreier Wasserklowns und einer 'echten' kohlrabenschwarzen Negergruppe. Für die besten Leistungen waren von der Stadt und einiger Freunde des Schwimmsportes wertvolle Preise gestiftet. Als Sieger aus den Wettkämpfen gingen folgende Schüler hervor: Rudolf Kettmann, Hanni Ösemann, Heinz Stolz, Gerda Nitschke, Walter Müller, Martha Zander, Inge Freye, Walter Schulze, Hans-Günther Friedrich, Anna Schulz, Walter Zander, Johanna Schidlewski, Erwin Liebmann, Johanna Kuckert. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Knaben und Mädchen unserer Schule auch in diesem Sommer sehr gute Fortschritte im Schwimmen gemacht haben.

Der Bader und die Baderey

„In den ersten Städten, die ebenfalls nach Italiänischem Fuß eingerichtet wurden, hat man auch öffentliche Bade-Stuben angeleget.“123

So lässt sich denn auch schon im 15. Jahrhundert in Niemegk ein erster Bader nachweisen. Er war allerdings eine zwielichtige Gestalt, die im Gefängnis saß. Die Jahresrechnung des Amtes Belzig.

aus dem Jahre 1493/94 vermerkt unter Gerichtsbussen. „Innam Gerichtsbueße - Item 1 ß xx g. Der Rath Zu nymick Daß sey denn bader der da gestolenn aus dem gefenngisße haben komenn laßen.“ [Ebenso ein Schock und 20 Groschen zahlt der Rat zu Niemegk, dass sie den Bader, der dort gestohlen hat, aus dem Gefängnis haben kommen lassen.]

“Nymick. „64 Dictis bader iii g vi pf Erbschoß vfs rathauß.“ Das ist der nächste vorsichtige Hinweis auf einen Bader in Niemegk. Gelesen werden kann auch: Dictus der Bader gibt 3 Groschen und 6 Pfennige Erbsteuer aufs Rathaus. Hier kann durchaus der Nachname oder der Beruf verstanden werden, denn unter der Nummer 59 gibt das Erbbuch von 1500/06 einen ähnlichen Fall an: „Hiernonimus Leinweber - viii g Erbschoß vfs rathauß.“128

Erst im Jahre 1531 kann in Niemegk ein Bader nachgewiesen werden. Er zahlte nach dem „Register der Stad Niemick“ „schatz-gelt von allen unbewecklichen güttern“: „Der Bader.“129 Im Register „vber die Schatzzunge der Stadt Niemeck Im xxxii jar“ erscheint er ebenfalls.130 Im Türkensteuerregister von 1542 werden seine Familienverhältnisse deutlich. Er muss „vor die Bade Stuben“ bezahlen und „helt mit der mutter Hauß“, wird unter dem Punkt „Gesinde“ vermerkt.131 Eine Frau, Kinder und Gesinde hat er nicht.

Ein Bader findet sich mehrfach in der „Jharrechnung Vber Eynnahmen vnndt Ausgabe Anno 1544.“ Sein Name wird nicht genannt. Er ist aufgeführt unter Einnahme aus Gärten, die „nicht An eyne stadt ßundern hin vnd wider gelegen seinth“- Gärten, die nicht an einem Ort, sondern verstreut liegen: „Symon Schultten i i/2 gl. vom garthen zu sandt Julianen“ und der „Bader i i/2 gl. vom garthen daselbst“. Darüberhinaus hat er ein Pferd: „Innahm Zins Von Farende Habe, Erstlichen von pferden - i pferdt, der Bader“. Die „Gemeyne Ausgab“ (allgemeine Ausgaben) beweisen eindeutig, dass er als Chirurg und Barbier tätig war: „x gl. dem Bader geben von Lamprecht Richtter Kindt welches der stadt Baier gepissen hat. v gl. tranckgelt dem Bader das ehr die Hern des Rats Inn dye vorsetzung eines newen Rats den selbigen tagk gebalbirth hat“. Die zweite Angabe könnte man heute lesen: „5 Groschen Trinkgeld dem Bader ausgezahlt, weil der die Herren des Rates am Tag der Einsetzung des neuen Rates rasiert hat.“ Probleme bereitet der erste Eintrag: „10 Groschen hat der Bader erhalten, für die Behandlung des Kindes von

Lamprecht Richter, welches der Stadtbär (?) gebissen hat. Ein von der Stadt gehaltenes Tier hat das Kind gebissen, deshalb kommt die Stadt für die Behandlung auf. Phonetisch kann man hier nur einen Bären heraushören.132

1559 ist es wahrscheinlich der Bader, welcher einen armen Jungen am Kopf operiert: „Ausgabe den fremden Unndtt Einheimischen Armen leutn - xiii gr. Einen Armen Jung mit namen gurge grawerth das er sich sein Haupt hat [tepang] [aufbohren?] laßen.“133

Im Jahr 1564 machte ein Bader aus Niemegk Ärger in Belzig und musste dafür Strafe zahlen: „[Einnhame Buße] Anno 1564 - 90 g. Michel Roedt von Schnebergk, unser Bader, Zur Straf geben, das er sich mit dem Bader Zu Nimegk In unser Badstuben wundt geschlagen. 90 g. Der Bader zu Nimegk, Das er sich In unser Badstuben mit unserm Bader geschlagen.“134

Dieser Bader scheint vor 1570 verstorben zu sein, denn die Kirchenrechnung der St. Johannis Kirche in Niemegk verzeichnet in diesem Jahr: „Einam ann Korn - Darvon Ausgebenn - iiii sch. den Armen, - die alte Baderin.“ Im gleichen Jahr werden zwei kranke Frauen behandelt: „Einheimischen armen Leüten - xv gr. iii pf. der This Kurßmannin in Irer Kranckheit gebenn, - viii gr. Der Mester Juliusin in Irer Krankheit.“135

Ein neuer Bader wird in der Rechnung des Jahres 1585 unter Ausgaben genannt: „Einheimischen Armen Leuten - xiiii gr. dem bader das er Peter Zernstdorf Jung sein bein wider geheilet.“ Er tritt in Niemegk erstmalig gesichert als Chirurg auf.

Die Badestube war zu dieser Zeit eine Angelegenheit der Stadt. Der Bader hatte sie wahrscheinlich zur Pacht oder war eingemietet, denn die Stadt plante in ihrer Jahresrechnung von 1591 Ausgaben ein, die allerdings nicht gemacht werden müssen: „Ausgabe an der Badtt Stuben, Vacat.“136 Entweder ist keine Badestube vorhanden oder sie ist völlig intakt, so das keine Ausgaben erfolgen müssen. Für die letzte Annahme spricht, dass im Visitationsprotokoll von 1602 ein Bader ausdrücklich als „Verächter des Sacraments“ angegeben wird.